Versteckte Mängel Nr. 3

Dieselpest und ein Dieseltank ohne Mannlöcher

Dieselpest: Am falschen Ort gespart, billig kommt teuer!

Schiffstanks mit grossem Fassungsvermögen hängt der Ruf an, dass in ihnen unerwünschtes Leben entstehen kann. Je grösser das Fassungsvermögen des Tanks, umso höher die Gefahr, dass der Diesel zu leben beginnt. In erster Linie beginnen sich Bestandteile von Bio-Diesel fortzupflanzen. Man kann diesem Phänomen allerdings entgegenwirken, wenn man beim Tankvorgang jeweils ein Quentchen Gift vorausschickt. Aber das kostet natürlich auch Geld. Wie wir sehen, ein überaus wichtiges Thema gewisser Schiffs-Vorbesitzer (Geld, also Geld sparen…).
Dass ein Schiff die Dieselpest einfängt ist das eine. Dass ein Experte bei einer Ankaufs-Expertise nicht schnallt, dass das Schiff mit einer 4-cm dicken Dieselschlammschicht verseucht ist, ist was ganz anderes. Eine Überraschung der noch ganz anderen Art hat uns aber der Vorbesitzer beschert.

Dieseltank vor der umfangreichen Tankreinigung
Dieseltank nach der Komplett-Reinigung

Dazu müsste ja erst einmal der Tank und die sogenannten Mannlöcher gefunden werden.

Kombüsenboden bedeckt Dieseltank: Ja, wo isser denn?
Boden mit der Fein aufgeschnitten: Wo sind denn die Man-Holes (Service-Löcher)?

Die müssen erst für teures Geld gebohrt werden.

Der Vorbesitzer der Avalon ist allem Anschein nach ein genialer Schiffskonstruktör. Aus praktischen Gründen hat der beschlossen, den Treibstofftank unter dem Boden der Kombüse einbauen zu lassen. Seine absolute Kernkompetenz besteht hingegen scheints in seiner legendären Sparsamkeit. So hat er es wohl aus Gründen der Effizienz (dazu muss man wissen: Der Mann ist seines Zeichens Betriebswirt von Beruf) vermieden, dass sein Schiff für den Tank a) Inspektionslöcher erhält, und b) diese zugänglich wären, ohne dass erst ein Schiffsschreiner her muss, um den Boden der Kombüse aufzubrechen. Wozu auch dann und wann ein Tankreinigung ins Auge zu fassen? Ist doch total überbewertet, ein solcher Vorgang. Kostet ja nur, gell?

Sicherlich hat der Voreigner gehofft und gewünscht, dass dieser Umstand (Keine Mannlöcher vorhanden, und der Tank ohnehin kaum zugänglich) während der Ankaufs-Expertise nicht Thema wird. Seine Wünsche sind samt und sonders in Erfüllung gegangen. Die Dumpfbacke von Schiffsexperte hat diesen Checkpunkt (Mannlöcher und Zugänglichkeit) gefliessentlich übersehen. Mit dem Resultat, dass dem Schiff Avalon im Winterhalbjahr 22/23 nun die folgende Therapie angedieh:
0. Der Avalon stellt auf rauer See der Motor ab, weil sich Dieselpestfetzen in den Dieselfiltern verkrallen. Die Maschine schlürft sämtliche Dieselleitungen leer, bis kein Treibstoff mehr gefördert werden kann. Die Avalon muss aus Seenot gerettet werden. Herzlichen Dank auch!
1. Der Zimmermann sägt den Kombüsenboden auf
2. Der Tankreiniger bohrt ein erstes Mannloch in der mutmasslichen Mitte des Tanks, um den Überblick zu bekommen
3. Der Tankreiniger entdeckt, dass der Tank, der insgesamt etwas über 1’700 Liter Treibstoff fasst, aus 10 Compartments (Abteilen) à 170 Liter besteht
4. Der Tankreiniger bohrt für alle 8 verbliebenen Abteile Inspektionslöcher
5. Der Tankreiniger reinigt den Tank (siehe vorher/nacher weiter oben)
6. Der Schiffszimmermann stellt den Kombüsenboden wieder so her, dass er für eine nächste Inspektion nicht mehr komplett abgebrochen werden muss
7. Der Schiffsmechaniker der Werft reinigt das gesamte Treibstoffsystem zwischen Tank und Antriebsmaschine
Alles nicht so schlimm: Hat bloss EUR 7’000 gekostet, die ganze Aktion. Danke, Herr genialer Schiffskonstruktör. Hochachtung, super Job, doch!

Rund 7’500 Eur später: Der Tank at Mannlöcher bekommen.
400 Liter Diesel wurden fachgerecht entsorgt; 600 Liter Diesel konnten sterilisiert werden

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